„Planetarisches Bewusstsein“ – Wie Tschingis Aitmatow Europa und die islamische Welt verbindet

„Planetarisches Bewusstsein“ – Wie Tschingis Aitmatow Europa und die islamische Welt verbindet

Am 16. Januar 2019 konnten wir Frau Dr. Irmtraud Gutschke bei uns im DRKI begrüßen. Frau Dr. Gutschke ist viel gereist, um mit dem kirgischstämmigen Schriftsteller Tschingis Aitmatow mehrfach zu sprechen. Ein wahrer Segen für alle Interessierten. Sie berichtete von Ihren Treffen mit Aitmatow. Bewunderswert war über die vielfältige Arbeit von Aitmatow zu erfahren. Er hatte zum Beispiel zu Zeiten des Kalten Krieges  Publizisten (Multiplikatoren) zu sich zum Issyk-Kul See eingeladen, um über den Weltfrieden zu sprechen. Aus dieser Idee entstand das Issyk-Kul-Forum entstanden, an welchem auch Frau Dr. Gutschke teilgenommen hat.

Frau Dr. Gutschke berichtete des Weiteren über die verschiedenen Werke von Aitmatow und seinem Heimatland Kirgisistan. Kirgisistan ist seit der Islaminisierung im 10. bis 19. Jahrhundert bis heute eher muslimisch geprägt. Zeit seines Lebens setzte sich Aitmatow für den Weltfrieden und sprach vom „Planetarischem Bewusstsein“, dass alle Völker auf einem Planeten leben und sich entsprechend verhalten sollten.

Nach dem Vortrag von Dr. Gutschke haben die Teilnehmer die Chance genutzt und sich über Europa und die islamische Welt sowie ihre jeweiligen Meinungen auszutauschen. Ein Abend der die vielfältigen Perspektiven zu Europa, Deutschland, Sachsen, Dresden und dem Island zeigte.

Weitere Impressionen des Abends.

„Ümüt-Nadjeschda“ (zu Deutsch „Hoffnung“) zu Besuch

„Ümüt-Nadjeschda“ (zu Deutsch „Hoffnung“) zu Besuch

Im Dresdner Deutsch-Russischen Kulturinstitut waren Igor Il’ič und Karla-Maria Schälike, die schon seit 30 Jahren behinderten Kindern in Kirgistan helfen, zu Besuch. Sie haben das einzigartige Hilfszentrum „Ümüt-Nadjeschda“ für Kinder und Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen gegründet. Ihrer selbstlosen Arbeit ist es zu verdanken, dass mehr als 70% der Schüler*innen des Hilfszentrums ihre Ausbildung in allgemeinbildenden Einrichtungen fortsetzen konnten.

Trotz großen Widerstandes und sogar Drohungen haben Karla-Maria Schälike und ihr Ehemann Igor sowie viele weitere Freiwillige aus verschiedenen Ländern Therapie- und Aufklärungsarbeit geleistet, sowohl in russischer als auch kirgisischer Sprache. So wurden Kindergärten, eine Schule, Werkstätten und ein Therapiezentrum errichtet. An der Universität in Kirgistans Hauptstadt Bischkek wurden Seminare für Lehrer*innen veranstaltet, die sich sehr positiv auf die Bildungsreformen im Land auswirkten.

Karla-Maria Schälike, gebürtige Dresdnerin, hat in Tübingen Pädagogik studiert. Ende der 1970er lernte sie an der Moskauer MGU ihren späteren Ehemann, den Physiker Igor, kennen. Seit 1979 lebt das Ehepaar gemeinsam in Kirgistan. 1989 gründeten sie dann das Hilfszentrum „Ümüt-Nadjeschda“, dessen Ehrenpräsident der kirgisische Schriftsteller Tschingis Aitmatov wurde. Karla-Maria Schälike wurde für ihr einzigartiges Engagement mehrfach ausgezeichnet: 2005 wurde sie im Rahmen des Projektes »1000 Frauen für den Frieden« für den Nobelpreis nominiert, 2009 bekam sie das Bundesverdienstkreuz verliehen und 2011 den kirgisischen Orden „Danaker“. Jedoch hat der Verein stets mit finanziellen Sorgen zu kämpfen und ist auf Unterstützung angewiesen. So finanziert sich der Verein zu einem großen Teil von Spenden und seit einigen Jahren unterstützen auch junge Freiwillige aus Deutschland das Hilfszentrum.

An den Ursprüngen des russischen Jugendstils

Im DRKI fand am 3. Februar 2016 die Ausstellung „An den Ursprüngen des russischen Jugendstils“ des Staatlichen Geschichts- und Kunstmuseums Polenowo eröffnet. Zu den Vordenkern dieser Stilrichtung im russischen Kunstraum gehörten neben den berühmten Viktor Wasnezow, Michail Wrubel und Michail Nesterow zwei weitere Künstlerinnen: Jelena Polenowa (1850–1898) und Maria Jakuntschikowa-Weber (1870–1902).

Die Vernissage stellte Grafiken und Plakate vor, die den Schaffensweg dieser eigenartigen russischen Künstlerinnen widerspiegeln. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museums „Polenowo“ Marina Glaschkina präsentierte dem Publikum die Geschichte des ersten kleinstädtischen, für alle Gesellschaftsschichten zugänglichen Kunstmuseums in Russland. Polenowo liegt südlich von Moskau. Die Schwester des russischen Maler Wassili Polenow Jelena Polenowa war die erste Illustratorin der russischen Volksmärchen. Durch ihr Schaffen belebte sie die Kunst der Holzschnitzerei wieder, bemalte die Keramik, arbeitete mit Aquarell und Öl. Ihre Werke wurden bei mehreren Ausstellungen präsentiert und hatten einen großen Erfolg beim Publikum.

Die russische Malerin Maria Jakuntschikowa-Weber lebte in Paris, kam aber jeden Sommer nach Russland. Sie teilte die national-romantischen Stimmungen des Abramzewo-Künstlerkreises rund um Sawwa Mamontow. Besonders erfolgreich war sie im Kunsthandwerk: sie beschäftigte sich mit Holzspielzeug, Stickerei, Gobelins und Applikationen. Als eine Künstlerin des russischen Silbernen Zeitalters wurde Jakuntschikowa-Weber zu einer der Ideengeberin des Jugendstils und Symbolismus in der russischen Kunst.

 

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Auf den Spuren Dostojewskijs…

Anfang April führte unser Russisches Zentrum für Schüler des Moskauer Linguistischen Gymnasiums Nr. 1389 eine Exkursion zu den Spuren russischer Persönlichkeiten in Dresden durch.

Moskauer Schüler des Weschnjakowskij Lingustischen Gymnasiums Nr. 1389 waren in Dresden zur Vertiefung der deutschen Sprache bei ihrer Partnerschule, der Freien Waldorfschule Dresden, zu Gast. Russischlehrerin Irina Romanytschewa von der Waldortschule bat den Fachleiter des Russischen Zentrums Vitaliy Kolesnyk eine Exkursion zu den russischen Spuren in Dresden für die russischen Gäste durchzuführen. Die Entdeckungsreise endete beim Dostojewskij-Denkmal des Vereins, das dieses Jahr 10 Jahre alt wird. So erfuhren die Moskauer Gäste beispielsweise, dasss Dostojewskij die längste Zeit im Ausland genau in Dresden verbracht und hier seine Erzählung „Der ewige Gatte“ und die erste Version seines Romans „Die Dämonen“ verfasst hatte. Seine Tochter Ljubow wurde in der russischen Gemeinde Dresden getauft. Außerdem erzählte Herr Kolesnyk von der Entstehungsgeschichte des Dostojewskij-Denkmals. 1996 hatte das DRKI zum 175-jährigen Geburtstags des Schriftstellers ein Symposium mit namhaften Dostojewskij-Experten (u.a. die Präsidenten der deutschen, amerikanischen, österreichischen und russischen Dostojewskij-Gesellschaften) durchgeführt und in der russisch-orthodoxen Kirche einen symbolischen Grundstein für ein Dostojewskij-Denkmal übergeben. 10 Jahre lang kämpften Ehrenamtliche und Freiwillige des DRKI für die Errichtung des Denkmals an einem würdigen Platz. Das Denkmal wurde vom berühmten russischen Bildhauer Alexander Rukawischnikow dem Verein geschenkt und am 10. Oktober 2006 von Präsident Wladimir Putin, Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem damaligen Ministerpräsidenten Georg Milbradt enthüllt. Den 10-jährigen Geburtstag des Denkmals plant das DRKI im Herbst 2016 im Rahmen einer Kulturwoche zu feiern.

 

Auf den Spuren von Alexander von Humboldt in Sibirien

Auf den Spuren von Alexander von Humboldt in Sibirien

 

Am 27. September hielt Prof. Friedrich Naumann (Chemnitz) im DRKI einen Vortrag über Alexander von Humboldts Russland-Sibirien-Reise von 1829. Sie dauerte 23 Wochen, vom 12. April bis 28. Dezember 1829. Insgesamt legte Humboldt 15468 km mit Kutschen und Schiff zurück. Er besuchte u.a. Moskau, Nischni Nowgorod, Kasan, Perm, Jekaterinburg, Nischni Tagil, Tobolsk, Barnaul, Semipalatinsk und Orenburg. Von Zar Nikolaus I. erhielt er den Auftrag u.a. die Goldlagerstätten und Edelsteinlagerstätten zu inspizieren sowie physikalische und geographische Vermessungen durchzuführen. Die Reise reiht sich ein in eine Reihe von Forschungsreisen ausländischer Gelehrter nach Russland, die die russischen Zaren in Auftrag gaben, um das russische Reich zu erforschen. Begeistert war Humboldt vom Fluss Irtysch, dessen Ufer und „die gewaltigen schönen Ebenen Asiens“ er pries.

Prof. Naumann hatte an Expeditionen der DAMU (Deutsche Assoziation der Absolventen und Freunde der Moskauer Lomonossow-Universität e.V.) 1999 nach Sibirien und 2002 in den Ural teilgenommen. Einige Fotos zeigte er in dem Vortrag, u.a. vom Irtysch, der Mineralogischen Sammlung in Jekaterinburg sowie vom sogenannten Humboldtberg im Nordural.

Nach dem Vortrag stand Prof. Naumann einigen Gästen noch lange Rede und Antwort zu Fragen rund um die Expeditionen.

 

Ausstellung „taktil“

 

Am 18. Mai wurde im DRKI die Fotoausstellung „taktil“ im Beisein der Künstlerin Natalia Breininger eröffnet. Von Sehnsucht, Einsamkeit, Nachdenklichkeit und Nostalgie erzählen ihre Fotografien. Natalia stammt aus Riga und ist größtenteils in Deutschland aufgewachsen. Ihre im DRKI gezeigte Ausstellung stellt ihre erste Einzelausstellung dar. In ihren Bildern ertastet und erfühlt Natalia Breininger ihre Umwelt taktil – mit der Kamera als zweite Netzhaut und Fühlorgan. Taktil bedeutet, dass man nicht aktiv nach etwas greift, sondern passiv eine Berührung durch die Haut wahrnimmt – diese Art der Wahrnehmung spiegeln sich in Natalias Schwarz-Weiß- und Farbfotografien wider. Was hat auf Natalia eingewirkt, was hat ihre Netzhaut des Auges und der Kamera berührt? Die Fotos zeigen Momentaufnahmen sowie persönliche Impressionen von Städten, Landschaften und Menschen. In der Ausstellung finden sich viele Bilder von Dresden, das Natalia an ihre Heimatstadt Riga erinnert.
Nach einer kurzen Eröffnung mit Klavierspiel von Freyja Ebner trug Natalia Breininger einige ihrer deutschsprachigen Gedichte vor. Denn neben ihrer Fotografie-Leidenschaft widmet sich die studierte Slavistin, Philosophin und Kulturwissenschaftlerin der Lyrik. Bereits im November 2015 trug sie auf dem DRKI-Lyrikabend im Kulturrathaus Dresden eindrucksvoll Gedichte vor. Ihre Gedichte wurden u.a. in den Zeitschriften die horen sowie dem Signaturen Magazin veröffentlicht. Ausgezeichnet wurden Natalias Gedichte mit dem Literaturpreis des Freundeskreises des Düsseldorfer Buchs e.V. `75 (2002) und dem Othmar-Seidner-Jungautorenpreis (2004).