Buchvorstellung „Feindbild Russland“

Am 5. Oktober 2016 war der Wiener Autor, Publizist und Verleger Hannes Hofbauer im DRKI zu Gast und stellte sein aktuelles Buch „Feindbild Russland. Geschichte einer Dämonisierung“ vor. Nach einer Begrüßung vom DRKI-Vorstandsvorsitzenden Dr. Wolfgang Schälike, der auf die schweren Verbindungen zwischen Russland und Deutschland kurz einging, erzählte der Autor im komplett gefüllten Saal über die gegenwärtige Situation der Russophobie von Seiten des Westens und dessen Ursachen. Sein Buch zeigt die Rezeptionsgeschichte der deutschen Wahrnehmung auf Russland seit dem 15. Jh. auf. Begonnen hatte das schlechte Bild „des“ Russen mit Johannes von Glogau an der Universität Krakau. Initialzündung für das Buch war für Hofbauer das EU-Assoziierungsabkommen mit der Ukraine 2013. Die schwierige Situation in der Ukraine sei eine Nachwirkung der Union von Brest, dessen nachfolgender Kirchen-/Konfessionskampf zwischen den Unierten und der Orthodoxie wieder aktuell geworden ist.

Auch ging Hofbauer darauf ein, wie nach dem Zerfall der UdSSR sich das Verhalten des Westens gegenüber Russland gewandelt hatte – war es zu Jelzins Zeiten noch positiv gewesen, so wandelte sich es mit dem Jugoslawienkrieg 1999, 2003 gab es mit dem Irakkrieg eine kurze Entspannung, 2008 beschloss die Nato Georgien und die Ukraine aufzunehmen, was das Verhältnis wieder anspannte und heute in Stellvertreterkriegen in der Ukraine und Syrien mündete. Und so stellte Hofbauer fest, dass wir uns aktuell in einer wahrlich prekären Situation befänden, im dritten Weltkrieg, vor dem bereits 2014 der Papst gewarnt hatte. Hofbauer ging auch auf die Sanktionen gegen Russland ein und erläuterte die Einreisestopps und das Wirtschaftsembargo. Die aktuelle Lage sei nicht nur eine Auseinandersetzung zwischen der USA und Russland, sondern indirekt zwischen der USA und der EU. Das besorgte und interessierte Publikum stellte viele anregende Fragen, die dann noch lange diskutiert wurden. Praktikantin Greta Spieker, die Staatswissenschaften in Passau studiert, moderierte durch die Veranstaltung.

 

11. Internationales Marina Zwetajewa-Lagerfeuer

Traditionell findet am ersten Sonntag im Oktober im DRKI das Zwetajewa-Lagerfeuer zu Ehren der russischen Nationaldichterin Marina Zwetajewa statt, bei dem ihre Gedichte in verschiedenen Sprachen vorgetragen werden. Weltweit wird das Lagerfeuer von Zwetajewa-Freunden begangen. Im DRKI fand es am 2. Oktober 2016  bereits zum 11. Mal statt. Diesmal gab es besonders viele internationale Darbietungen.

Nach der offiziellen Begrüßung vom DRKI-Vorstandsvorsitzenden Dr. Wolfgang Schälike trug Abiturientin Elisabeth Gerschkovitsch ein Gedicht von Zwetajewa in Deutsch und Russisch vor. Danach gab es Kammermusik im DRKI-Saal, da Zwetajewa in einem musikalischen Haus aufgewachsen war. Laienmusikerin Elvira Rakova trug zwei Zwetajewa-Vertonungen von A. Petrov vor, bei denen sie sich selbst am Flügel begleitete. Danach boten Elena Rubinova und Sergej Nikulin, die beide das Rimskij-Korsakov-Konservatorium in St. Petersburg absolviert haben, am Klavier und Fagott mehrere Stücke, u.a. von Grovlez, dar. Das Dresdner Duo L’Anima Lirica (Anna Ryndyk und Maria Möller) trugen Arien aus russischen Opern vor.

Danach ging es trotz regnerischem Wetter in den Vereinsgarten zum Lagerfeuer. Praktikantin Greta Spieker gab dem Publikum einen allgemeinen Einblick in die Biographie Zwetajewas, anschließend erzählte Zwetajewa-Expertin Elena Beleninova aus Leipzig über die Beziehung der Dichterin zur Krim. So hatte Zwetajewa auf der Halbinsel ihren schönsten Sommer verbracht und viele Gedichte geschrieben. Unter der Moderation von Kulturmanagerin Freyja Ebner gab es anschließend ein buntes internationales Programm, das nicht nur Zwetajewa, sondern auch anderen Dichtern gewidmet war: Elena Demaria aus Italien trug zwei Gedichte von Zwetajewa auf Italienisch und Russisch vor. Anschließend gab es zum ersten Mal im DRKI Zwetajewa-Gedichte auf Arabisch von Salem Al Saad aus Syrien zu hören. Dr. Björn Haustein erzählte über Zwetajewas Vater und dessen gute Beziehungen zur Stadt Dresden. Venera Vagisova trug eindrucksvoll Gedichte des tatarischen Dichters Mussa Dzhalil auf Tatarisch, Russisch und Deutsch vor. Joevan Caitano aus Brasilien las etwas vom portugiesischen Nationaldichters Fernando Pessoa vor und Greta Spieker gab etwas von Brodsky auf Englisch zum Besten. Auch hörten wir ein Gedicht auf Obersorbisch von Gordian Krahl. Viele weitere Gäste trugen etwas vor und machten das 11. Zwetajewa-Lagerfeuer richtig international.

Sächsischer Bergbau in Russland

 

Am 28. September 2016 hielt der emeritierte Chemnitzer Professor Dr. Dr. Friedrich Naumann im DRKI seinen Vortrag zum Thema „Sächsische Bergbaukunst im Dienste russischer Zaren“. Darin erläuterte er die engen historischen Zusammenhänge und den regen wissenschaftlichen Austauschs zwischen Sachsen und Russland auf dem Gebiet des Bergbaus. Das interessierte Publikum erfuhr dabei von den Auslandsreisen Peters des Großen, die 1725 gegründete Akademie der Wissenschaften und dem Befehl von August dem Starken an die Kurfürstlichen Räte, „Handwerksleute nach Moskau zu senden“ (1699). Prof. Naumann erläuterte den Aufbau einer Bergbauverwaltung und welche Berufe dafür benötigt werden. Die meisten dieser speziellen Berufe sind im Russischen fast eins zu eins aus dem Deutschen entlehnt. Im Vortrag fielen viele Namen bedeutender Sachsen, die in Russland gewirkt hatten, u.a. vom Oberberghauptmann Carl Alexander von Schönberg, der die Bergbauverwaltung in Russland aufbaute. Des Weiteren erzählte Prof. Naumann, dass 1773 die Bergbau-Lehranstalt Gornij in St. Petersburg nach dem Vorbild Freibergs gegründet wurde und in dieser Zeit allgemein mit der Erforschung Russlands mit ausländischer Hilfe begonnen wurde. Ende des 18. Jhs. waren 1/5 der Fachleute des ingenieurtechnischen Personals Deutsche. Auch hob Prof. Naumann die Wichtigkeit der Stadt Freiberg für die russischen Studenten hervor: 1706 wurden erste russische Studenten nach Freiberg entsandt, von 1765-1835 gab es dort 801 Russen – 11% aller inskribierten Studenten. Auch Michail Lomonossow zählt dazu, der 1739/1740 nach Freiberg kam. Lomonossow hatte dort aufmerksam die Standardschriften zum Bergbau von Agricola studiert und dessen Zeichnungen auffallend nachgeahmt in seinem Werk zum Bergbau verwendet.
Prof. Naumann, der bis 2005 Professor für Wissenschafts-, Technik- und Hochschulgeschichte an der TU Chemnitz war, erzählte am Ende vom 2014 eröffneten Lomonossow-Haus in Freiberg, welches eine Wohn- und Begegnungsstätte für bis zu 16 russische Studenten und Wissenschaftler als auch einen historisch nachempfundenen Salon zu Ehren von Michail Lomonossow beherbergt. Das DRKI war damals übrigens bei der Einweihung zugegen gewesen.