Der neue Kulturpalast

Am 25. Oktober nahmen im Rahmen des Projekts „Dialog der Zivilisationen“ 15 Einheimische, Migranten und Multiplikatoren in der Flüchtlingsarbeit an einer Führung durch das neue kulturelle Zentrum Dresdens, den Kulturpalast, teil. Der erst im April wiedereröffnete Bau beeindruckte die Besucher sehr – die alteingesessenen Dresdner erinnerten sich noch an den Palast vor der Schließung 2012 und freuten sich, wieviel Altes mit in die neue Konzeption eingearbeitet und beibehalten wurde. Alle waren von dem lichtdurchfluteten Foyer und dem warmen korallfarbenen Teppichboden beeindruckt. Höhepunkt der Führung war der neue Konzertsaal, der bei der Gruppe durch seine moderne helle Atmosphäre, der Orgel sowie einer besonders guten Akustik einen bleibenden Eindruck hinterließ. Im Anschluss gab es noch einen kleinen Einblick in die Städtische Bibliothek, die nun im Kulturpalast untergebracht ist.

12. Internationales Marina Zwetajewa-Lagerfeuer

Im Mittelpunkt der Feierlichkeiten am 8. Oktober 2017 stand die Enthüllung einer Infotafel am sog. Norwegischen Haus am Rißweg 14 auf dem Weißen Hirsch. Im Jahr 1910 hatten Marina Zwetajewa und ihre Schwester Anastasja hier den Sommer verbracht.

Der DRKI-Vorstandsvorsitzende Dr. Wolfgang Schälike eröffnete das Fest mit einer Rede über die Bedeutung Zwetajewas für die deutsch-russischen Kulturbeziehungen. Zwetajewa-Expertin Elena Beleninova (Leipzig) erzählte von Zwetajewas Leben und ihrer besonderen Beziehung zu Rainer Maria Rilke. Beide hegten große Sympathie füreinander, obwohl sie sich zu Lebzeiten nie gesehen hatten und ihr einziger Kontakt aus Briefen bestand. Beide wohnten in Dresden sogar in derselben Straße, dem Rißweg – allerdings zu unterschiedlichen Zeiten.

Trotz des regnerischen Wetters waren zur Infotafelenthüllung viele Interessierte gekommen. Unter den Gästen waren der neue russische Generalkonsul in Leipzig Andrej Dronov, der Leiter des Russischen Hauses in Berlin Pavel Izvolskiy, der Leiter des Russischen Hauses in Prag Leonid Gamza, der Dresdner Kulturamtsleiter a.D. Dr. Werner Barlmeyer, die Mitarbeiterin bei der Integrations- und Ausländerbeauftragten der Stadt Dresden Marie-Luise Lehmann sowie die tatarische Schriftstellerin Guzel Yakhina. Bedauerlicherweise hatten weder der Oberbürgermeister noch die Kulturbürgermeisterin der Stadt Dresden Zeit gefunden, dem Ereignis beizuwohnen.
Großzügigerweise erklärten sich die Besitzer des Hauses bereit, einigen Personen das Haus zu zeigen. Von nun an ziert eine kleine dunkelrot gehaltene Infotafel den Eingangspfosten zum Haus.Nach einem kleinen Sektempfang führte Elena Beleninova einige Interessierte zu Stätten Zwetajewas auf dem Weißen Hirsch.

Zwetajewas Geburtstag ging mit einem Festkonzert im DRKI weiter, welches Abiturientin Elisabeth Gershkovitsch mit einem Zwetajewa-Gedicht auf Russisch und Deutsch eröffnete. Im komplett gefüllten Saal versetzten Elena Rubinova (Klavier), Sergej Nikulin (Fagott) und Elvira Rakova (Gesang) die Zuschauer mit Darbietungen von Rachmaninow, Bizet, Glinka und Tschaikowskij in Entzücken.

Der Höhepunkt der Feierlichkeiten gipfelte im 12. Internationalen Marina Zwetajewa-Lagerfeuer. DRKI-Kulturmanagerin Freyja Ebner stellte am Anfang das aktuell laufende Jugendprojekt „Familie Zwetajew – russische Weltkultur in Dresden“ vor und moderierte die anschließende Veranstaltung. Während im Hintergrund das Lagerfeuer knisterte, erklangen Gedichte von Marina Zwetajewa in verschiedenen Sprachen. Salem Al Saad aus Syrien trug ein Gedicht auf Arabisch und Russisch vor und Parya Ghiasvand aus dem Iran gab drei Übersetzungen auf Farsi (Persisch) zum Besten. Zwetajewas Gedichte im Original hörten die Zuschauer von der Leiterin der Samstagsschule Raduga Nina Bauer, Elena Beleninova und Gymnasiast Ivan Podgorny. DRKI- Bibliotheksmitarbeiterin Elena Kusnetsova beeindruckte mit einem eigens verfassten Gedicht an Zwetajewa und DRKI-Praktikantin Emma Volkova trug ein Gedicht Rilkes, das er an Zwetajewa geschrieben hatte, vor. Der Abend endete mit einem offenen Rednerpult. Jeder konnte seine liebsten Gedichte vortragen, dabei war es einerlei, aus welchem Jahrhundert oder aus welcher Feder diese stammten.

Wissenschaftlicher Vortrag über Alexei K. Tolstoi

Anlässlich des 200. Geburtstags des berühmten russischen Schriftstellers Alexei Konstantinowitsch Tolstoi hielt am 4. Oktober 2017 Dr.-Ing. Jochen Haeusler (Nürnberg) im DRKI einen Vortrag über Tolstoi und Deutschland. Dr. Haeusler hatte als einziger deutscher Vertreter an den offiziellen Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag A.K. Tolstois nahe Brjansk teilgenommen. Er erzählte von Tolstois frühen Deutschlandreisen, außerdem stellte er das Dorf Krasnyj Rog, in dem Tolstoi aufwuchs und später arbeitete, vor. Des Weiteren erfuhren wir, dass Tolstoi und seine Cousins Schemtschunikow unter dem Pseudonym Kosma Prutkow Werke veröffentlicht hatten. A.K. Tolstoi widmete einen Großteil seiner Liebeslyrik seiner Frau Sofia, die er in Deutschland geheiratet hatte. Seine Liebe zur deutschen Kultur und Poesie zeigte er vor allem in seinen Dichtungen, die er auf Deutsch und Russisch schrieb. Da A.K. Tolstoi ein großer Verehrer Heinrich Heines war, versuchte er dessen Werk in Russland populär zu machen. Nach dem Vortrag unterhielten sich einige Besucher noch über Tolstois Lyrik.

 

Auf den Spuren von Alexander von Humboldt in Sibirien

Auf den Spuren von Alexander von Humboldt in Sibirien

 

Am 27. September hielt Prof. Friedrich Naumann (Chemnitz) im DRKI einen Vortrag über Alexander von Humboldts Russland-Sibirien-Reise von 1829. Sie dauerte 23 Wochen, vom 12. April bis 28. Dezember 1829. Insgesamt legte Humboldt 15468 km mit Kutschen und Schiff zurück. Er besuchte u.a. Moskau, Nischni Nowgorod, Kasan, Perm, Jekaterinburg, Nischni Tagil, Tobolsk, Barnaul, Semipalatinsk und Orenburg. Von Zar Nikolaus I. erhielt er den Auftrag u.a. die Goldlagerstätten und Edelsteinlagerstätten zu inspizieren sowie physikalische und geographische Vermessungen durchzuführen. Die Reise reiht sich ein in eine Reihe von Forschungsreisen ausländischer Gelehrter nach Russland, die die russischen Zaren in Auftrag gaben, um das russische Reich zu erforschen. Begeistert war Humboldt vom Fluss Irtysch, dessen Ufer und „die gewaltigen schönen Ebenen Asiens“ er pries.

Prof. Naumann hatte an Expeditionen der DAMU (Deutsche Assoziation der Absolventen und Freunde der Moskauer Lomonossow-Universität e.V.) 1999 nach Sibirien und 2002 in den Ural teilgenommen. Einige Fotos zeigte er in dem Vortrag, u.a. vom Irtysch, der Mineralogischen Sammlung in Jekaterinburg sowie vom sogenannten Humboldtberg im Nordural.

Nach dem Vortrag stand Prof. Naumann einigen Gästen noch lange Rede und Antwort zu Fragen rund um die Expeditionen.