Fürst Dmitrij Aleksejewitsch Obolenskij wurde am 13. Oktober 1894 in St. Petersburg als ältestes von vier Kindern des Fürsten Aleksej Obolenskij und seiner Ehefrau Fürstin Elisabeth, geborene Saltykova, geboren. Seine Geschwister waren Nikolaj (1896-1978), Anna (1898-1973) und Daria (1903-1982). Er besuchte zunächst die St.-Anna-Schule, wo er perfekt Deutsch lernte sowie Französisch und Latein. Dann schickte ihn sein Vater zum kaiserlichen Pagenkorps, wo er seine Ausbildung mit dem Rang eines Gardeoffiziers abschloss. Da er sich für die Naturwissenschaften begeisterte, trat er in die St. Petersburger Universität an der Fakultät für Mathematik und Mechanik ein, die er jedoch nie abschließen konnte – der Erste Weltkrieg brach aus. An den Fronten des Krieges kämpfte er in den Einheiten der Gardekavallerie, die 1917 aufgrund der Abdankung von Zar Nikolaus II. aufhörte zu existieren.
Nach der Oktoberrevolution wurde Fürst Dmitrij verhaftet, aber bald nach Fürsprache von Maxim Gorki freigelassen, der sich für ihn und seinen Vater einsetzte, weil sie entschiedene Gegner der antisemitischen Pogrome waren. 1922 emigrierte Fürst Dmitrij nach Dresden, wo seine Familie bereits ansässig war. Hier setzte er seine Ausbildung an der Technischen Hochschule Dresden fort, wo er sich erfolgreich wissenschaftlich betätigte. 1932 entwickelte er eine neue Theorie des Schwerpunktsatzes, die öffentlich diskutiert wurde. Obwohl sie andernorts zumindest teilweise bestätigt wurde, kam es in Dresden zu heftiger Ablehnung, und er wurde als Phantast und gefährlicher Bolschewist diffamiert und musste als russischer Emigrant die Hochschule verlassen. Auch der ihn unterstützende Rektor Prof. Kowalewski wurde seines Amtes enthoben. Obolenskij begann, an verschiedenen Bildungseinrichtungen Russisch zu unterrichten, so auch an der Offiziersschule der Wehrmacht (1933-1939), wo er Freunde unter den Offizieren fand, die später die Lage an den Kriegsfronten nüchtern beurteilten. Bereits nach der Schlacht von Stalingrad 1943 glaubten diese Offiziere, dass der Krieg verloren sei. Einige von ihnen waren später am Attentat auf Hitler beteiligt.
Am 15. Juni 1935 hatte Fürst Dmitrij die Sprachlehrerin Irmgard-Elisabeth Hirschfeld (1898-1957) in der Russisch-Orthodoxen Kirche geheiratet. Sie wohnten in der Bautzner Straße 82. Nachbarn berichteten, dass er im Winter stets eine Pelzmütze trug und gern sagte, wo ich bin, da ist Russland. Er nahm aktiv am Leben der Russisch-Orthodoxen Kirche des Heiligen Simeon vom wunderbaren Berge teil, die er jedoch mit einigen anderen verließ, als sie unter die Jurisdiktion der Karlovatzer-Synode kam.
Er sollte 1939 vom deutschen Kriegsministerium zum Wehrdienst einberufen werden, lehnte aber ab, da er seinen geleisteten Eid auf die zaristische Armee nicht brechen wollte. Daraufhin wurde Fürst Dmitrij aus dem Russischunterricht an der Wehrmachtschule entlassen. Er fand zunächst Arbeit als Übersetzer in der Firma Zeiss Ikon, aus der er jedoch bald als politisch unzuverlässig entlassen wurde. Danach wurde er in der Fa. Mimosa, einem Hersteller von Fotopapier, angestellt. Hier organisierten er und sein Freund Alfred Röhle in ihren Arbeitsräumen sogenannte Nachrichtenzirkel, in denen vor allem Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion und Frankreich die Sendungen ausländischer Radiosender über die aktuelle Lage in der Welt hören konnten.
Er wurde denunziert und am 7. Oktober 1944 von der Gestapo verhaftet. Sein Haus wurde durchsucht, seine gesamte Korrespondenz und seine wissenschaftlichen Artikel wurden beschlagnahmt und verschwanden spurlos.
In den Gefängnissen – zuerst in der Schießgasse, dann im Landgericht am Münchner Platz und schließlich in der Untersuchungshaftanstalt Mathildenstraße – wo er unter unmenschlichen Bedingungen gehalten und geschlagen wurde, verlor er nie seinen Geist, forderte bessere Bedingungen für seine Mitgefangenen und brachte ihnen Russisch bei. Darüber berichtete 1946 ein ehemaliger Zellengenosse, der offenbar in der Nacht zum 13. Februar 1945 aus der Mathildenstraße fliehen konnte und später Bürgermeister von Schweta wurde.
In der letzten Januarwoche 1945 erkrankte Fürst Dmitrij schwer. Er wurde in das Johannstädter Krankenhaus in Dresden eingeliefert, aber anstatt von Ärzten behandelt zu werden, wurde er von der Gestapo Experimenten unterzogen, um herauszufinden, bei welcher Temperatur des Badewassers ein Mensch überleben kann. Am Ende wurde er in eine 80 Grad heiße Badewanne gelegt. Der Tod trat augenblicklich ein. Er starb am 10. Februar 1945.
Sein Leichnam, der mit Prellungen und Stichwunden übersät war, wurde seiner Witwe nach vielen Bemühungen übergeben. Er wurde im Kreise seiner Verwandten und Freunde auf dem Johannisfriedhof unweit des Grabes seines Vaters Fürst Alexej beigesetzt.
Am 9. Dezember 1945 wurde Dmitrij Obolenskij offiziell als Opfer des Faschismus anerkannt und eine Witwenrente gezahlt.
Eine Nichte des Fürsten lebt in Berlin, Baronin Alexandra von Gersdorf.
Die Verlegung des Stolpersteins für Fürst Dmitrij Aleksejewitsch Obolenskij 2025 wurde vom Deutsch-Russischen Kulturinstitut Dresden angeregt und finanziert.
Quellen:
Angaben der Angehörigen (Nichte Baronin Alexandra von Gersdorf)